In Würde das Digitalisierungszeitalter meistern

Aktualisiert: Juni 29

Werden wir durch die Errungenschaften der Digitalisierung befreit oder versklavt? Die Digitalisierung ist eine grosse Chance für unseren Wohlstand, aber auch eine erhebliche Gefahr für unsere Freiheit. Was können wir tun? Eine Anleitung zur Selbstverteidigung.

«Mist, schon wieder eine E-Mail meiner Krankenkasse. Meine Prämie wird wieder höher. Und das nur, weil ich gestern mit meinen Kollegen zwei Bier mehr getrunken habe, als erlaubt. Mein Gesundheitschip hat es sofort erkannt. Na ja, meine Fitnesspunkte habe ich in der letzten Woche auch nicht erreicht. Eigentlich fühle ich mich gut und der gestrige Abend hat Spass gemacht. Doch egal - die Krankenkasse straft sofort.»


Ist die obige Geschichte wirklich eine Utopie? Zuschauer von Black Mirror[1] und Leser von Science-Fiction Romanen erkennen, dass solche Szenarien nicht mehr originell sind. Die technisch Affinen unter uns wissen, dass die Machbarkeit gegeben ist. Manchmal ist sie sogar bereits Realität. Wir Informatiker geben ja unser Bestes und tragen dazu bei.


Mit dem digitalen Fortschritt stellen sich nebst den üblichen bekannten Herausforderungen der Gesetzgebung für disruptive Geschäftsmodelle à la Uber und ethischen Gedanken, wie z.B. wen sollte ein selbstfahrendes Fahrzeug im Zweifelsfall töten, auch andere interessante Fragen:

  • Wie wirkt sich eine permanente Erfassung von Gesundheitsdaten auf unsere intrinsische Motivation aus? Treiben wir in Zukunft Sport, weil es uns Spass und Freude macht oder nur damit wir unsere Krankenkassenprämien optimieren können[2]?

  • Was machen „ausgeklügelte“ Algorithmen, die uns nach dem Prinzip „more of the same“ Musik, Text und andere Inhalte vorschlagen, mit unserem Geschmack? Haben wir dann noch eine Chance Unentdecktes zu entdecken oder sind wir dann nur blinde Konsumenten immer desselben? Was passiert mit unserer Meinungsfreiheit, wenn es sich um politische Themen handelt? Ist eine Meinungsbildung aufgrund der Auswertung gegensätzlicher Standpunkte noch möglich?

  • Wie wirkt sich unsere Vorliebe für die Bewertung mit Sternen und Likes auf unsere Gedanken- und Handlungsfreiheit aus? Werden wir bald Sklaven eines vollumfassenden Bewertungssystems, das uns in die Schranken der Konformität und Beliebigkeit zwingt? Die chinesische Regierung kann unser Vorbild sein[3], George Orwell[4] lässt grüssen.

Eine simple Antwort auf die obigen Fragen ist offensichtlich unmöglich. Eine zu strikte Regulierung durch den Staat kann nicht zielführend sein. Auch staatliche Schutzmassnahmen können unsere Freiheiten beschränken und zwar im gleichen Mass, wie die Errungenschaften des digitalen Zeitalters. Auch solche Massnahmen liessen sich digital überwachen.


Eine Besinnung auf altmodische Werte gepaart mit einer Prise Ungehorsam dürfte unsere Freiheiten aufrechterhalten. Daher meine fünf Gebote für das digitale Zeitalter:

  • Achte auf deine Allgemeinbildung und eigne dir ein breites Wissen an – im heutigen Datendschungel ist es wichtig, die Qualität und die Verlässlichkeit von Informationen kompetent abschätzen zu können. Eine gute Ausbildung gestützt auf ein breites Wissen und kombiniert mit kritischem Denken kann helfen, Fake News zu erkennen und mit irreführendem Verhalten von software-gesteuerten Hilfsmitteln umzugehen.

  • Sei nicht geizig und zahle für qualitativ hochstehende Inhalte – eine qualifizierte Recherche und Erstellung eines guten Artikels kostet Zeit und Geld. Die finanzielle Unterstützung solcher Arbeiten ist die beste Medizin gegen Fake News und Halbwahrheiten, die gratis in den Medien verbreitet werden.

  • Lasse dich nicht bestechen und trage Sorge zu deinen Daten – «Daten sind das neue Öl»[5]. Überall wird versucht, deine Daten zu gewinnen, um sie zu nutzen. Oft werden finanzielle Anreize geschaffen, um die Daten ihren Besitzern zu entlocken. Wir müssen unbestechlich werden und auf einen Tausch unserer Daten gegen Almosen verzichten. So können wir die Gier von Datenkraken bremsen.

  • Sei kritisch, wenn es um «neue» Technologien geht – das immer noch geltende Mooresche Gesetz[6] erlaubt dank immer grösserer Rechnerleistung und ständig billigerer Speicherkapazität eine schnelle Verbreitung von älteren Technologien, die oft in englische Buzzwords verpackt und für neu verkauft werden.

  • Lasse dich gegen Sternitis impfen – komplexe Themen oder sogar Menschen mit einfachen Mitteln zu bewerten ist irreführend, kann zu falschen Schlussfolgerungen führen und ist manchmal arrogant.


Mit kritischer Haltung und gesundem Menschenverstand wird es klappen. Viel Glück dabei.


Jiri Petr | Senior Consultant, Intersys AG



Quellen

Bild: https://www.androidauthority.com/heres-already-living-1984-797996

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Black_Mirror_(Fernsehserie)

[2] https://www.trainingpeaks.com/blog/what-motivates-successful-athletes/

https://www.research-collection.ethz.ch/bitstream/handle/20.500.11850/255155/9783728138927.pdf

[3] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/infografik-chinas-sozialkredit-system-15913709.html

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/George_Orwell

[5] https://www.economist.com/leaders/2017/05/06/the-worlds-most-valuable-resource-i us-no-longer-oil-but-data

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Mooresches_Gesetz